Zweimal Treffer, einmal Pampa...

Im laufenden Schuljahr hat sich die Astrogruppe mehr als gewohnt den Asteroiden unseres Sonnensystems gewidmet. Angespornt durch die gelungene Beobachtung des Asteroiden 145962 Lacchini (1999 YH5) am 15. Februar 2017 (hier nachzulesen) haben wir uns gleich zu Beginn des Jahres 3122 Florence (1981 ET3) vorgeknöpft. Der zum Erdvorbeiflug von Florence losgetretene Hype in den Medien war zwar übertrieben, doch war es zugegeben doch ein schöner 5-km-Brocken der in "nur" sieben Mondentfernungen an der Erde vorbeizog.



In diesem Bild sieht man die kurze Spur, die Florence im Sternengewimmel der Konstellation Füchschen gezogen hat. Das Bild ist eine Summe von 40 einminütigen Aufnahmen durch den 6"-f/6.7-Refraktor des Observatoriums "torretta" in Bruneck. Aufnahmekamera war eine ST-10XME. Mehr Informationen zu dieser Beobachtung gibt's hier.

Dann wurden wir etwas übermütig... 🙈

Am Abend des 11. Oktobers 2017 wollten wir das nur ca. 20 m große NEO-Objekt "2012TC4" aufs Korn nehmen. NEO steht hierbei für "near earth object", also ein Objekt, das der Erde immer wieder mal nahe kommt und damit potentiell gefährlich ist. Mit etwa 20 m Durchmesser hätte ein Einschlag dieses Körpers ähnliche Auswirkungen wie der Meteoritenfall von Tscheljabinsk im Februar des Jahres 2013 gehabt (Wikipedia). Immerhin sorgte damals die Druckwelle des Einschlags für unzählige zerborstene Scheiben und mehr als 1000 Verletzte.

Dieses Mal war die Erde jedoch nicht in Gefahr: Dieser "Kelch" sollte an unserem Heimatplaneten in etwa 44.000 km Distanz vorübergehen. Doch wir waren gewappnet! Das Schulobservatorium war mit Patrick, Dominik, Claudia und mir bemannt. Das Teleskop war ausgekühlt, die Montierung sauber ausgerichtet, der Kameralüfter schnurrte entschlossen und die aktuellen Koordinaten aus dem JPL Small Body Database Browser waren extrahiert... Es konnte losgehen! Wir waren auf "GO"!

Die ersten Aufnahmen waren Fehlschüsse. Kein bewegtes Objekt zwischen den Sternen zu sehen. Die nachfolgenden Bilder (siehe das unkalibrierte Rohbild unten) waren nicht anders...



Die Fehlersuche begann: "Wie schnell bewegt sich der Asteroid?", "Haben wir wirklich GMT+2?", "Ist er vielleicht zu lichtschwach?", "Wie lange verweilt das Ding eigentlich auf jedem einzelnen unserer Pixel?", "Haben wir die Koordinaten für das Jahr 2017?", "Wie groß war nochmal das Gesichtsfeld unseres CCD-Chips?"...

Fragen über Fragen machten die traurige Tatsache nicht besser: 2012TC4 blieb verschollen... Nach zwei Stunden des Bangens und Rätselratens stellten wir unsere Bemühungen enttäuscht ein. 

Tag's darauf brachte eine Facebook-Bekanntschaft Licht ins Dunkel. Der deutsche Amateurastronomen Jost Jahn hatte das Objekt unserer Begierde erwischt und gab den entscheidenden Hinweis! Zitat: "Die Koordinaten sind je nach Stationsort deutlich unterschiedlich, durch die Parallaxe." 

Eine kurze Rechnung bestätigte die bittere Wahrheit. Der Asteroid war der Erde so nahe gekommen, dass seine Position am Himmel je nach Beobachtungsstandort um mehrere Grad variieren konnte. So ein nahes Objekt hatten wir noch nie im Visier gehabt, deshalb hatten wir an diesen Effekt nie gedacht. Es gab überhaupt keine Chance, ihn dort zu erwischen, wo wir ihn so innig suchten... 

Was soll's... Mindestens was gelernt! Wir sind ja nebenberuflich auch noch Schüler bzw. Lehrer! 😉

Dafür lief's am 19. Oktober 2017 mit 6212 Franzthaler (1993 MS1) wieder besser. Dieser Hauptgürtelasteroid wurde von unseren Freunden von Planetarium Gummer nach dem Südtiroler Franz Thaler, einem Überlebenden des Konzentrationslagers Dachau (Wikipedia), benannt. Wir richteten unser Schulteleskop für etwa eine Stunde auf das ferne, sich langsam bewegende Lichtpünktchen. Parallaxe war dieses Mal kein Thema. Leider haben wir eine etwas kurze Einzelbelichtungszeit gewählt, was das hohe Hintergrundrauschen erklärt.


Hier im Bild die Strichspur von Franzthaler im Sternbild Fische. Summe aus 200 Bildern zu je 15 s durch unser Schulteleskop (LX200 10", f/10) mit SBIG ST-8XME bei 2x2 Binning und ohne Filter. Im Hintergrund erkennt man einige ferne Galaxien.

Zugegeben, an die Ästhetik des Florence-Bildes kommt unser Franzthaler wohl nicht ran. Wohl deshalb hat nicht Franzthaler, sondern unsere Florence die bekannte Südtiroler Künstlerin Claudia Barcheri "verführt": Unser Schnappschuss ziert nun die Wand ihres Ateliers in München, was uns ganz ein kleines Bisschen schmeichelt. 😊


Christof Wiedemair


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